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Spahn: "30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind Risikogruppe"

09.11.2020 12:58

Quelle: sueddeutsche.de, " Spahn: "30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind Risikogruppe"", Stand: 09.11.2020 12:40, https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-news-neuinfektionen-rki-1.5101677

Spahn: "30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind Risikogruppe"

CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn blickt in der Corona-Krise mit Sorge auf die Altersstruktur in Deutschland und warnt vor einer Überlastung der Intensivmedizin. Die Bundesrepublik sei nach Japan das zweitälteste Land der Welt, so Spahn im Livestream "Die richtigen Fragen" der Bild-Zeitung. "Bei uns sind 23 Millionen Deutsche über 60. Wir sind ein Wohlstandsland mit Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, Übergewichtigkeit. Alles Risikofaktoren für dieses Virus, wie für viele Infektionskrankheiten übrigens auch." Damit gehörten per Definition 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung zu einer Risikogruppe.

"Wenn von 20 000 Neuinfizierten an einem Tag etwa zwei Prozent in die Intensivmedizin müssen, dann sind das 400 am Tag. Wenn die intensivmedizinische Behandlung und Begleitung 15 Tage im Schnitte dauert - sind das 6000." Diese Zahl werde Deutschland noch im November erreichen, das sei bereits absehbar. Für das Gesundheitswesen sei diese Belastung nur "unter ziemlicher Anspannung" zu bewältigen. "Wenn die Intensivmedizin mal zu voll ist, überfüllt ist, überlastet ist, dann ist es zu spät."

Gleichzeitig legte Spahn nahe, dass sich Deutschland auch nach dem Ende des zweiten Lockdowns auf weitere Einschränkungen einstellen muss. Zur Frage, wann die Bürger wieder voll über ihre in der Pandemie eingeschränkten Grundrechte verfügen könnten, sagte der CDU-Minister: "Das ist absehbar für die nächsten Monate sicher nicht der Fall." Ziel sei es, Kitas und Schulen so lange es geht im Regelbetrieb offen zu halten. "Wenn Sie mich aber fragen, kann ich Ihnen das abschließend versprechen, dann ist die ehrliche Antwort: Das kann ich nicht." Spahn appellierte, in den Wintermonaten auf Feiern zu verzichten. Die Erkenntnis der vergangenen Wochen sei, dass es die Vernunft gebiete, "jetzt mal über viele Wochen, wenn nicht Monate, keine Veranstaltungen mit zehn, 15 oder 20 Leuten zu haben, wenn überhaupt".